Bibliodrama und Seelsorge


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Elemente als Einstieg

Autor: Peter Zürn


Thema: Wenn etwas Neues und Unerwartetes geschieht - die Weihnachtsgeschichten
Zeit: 30 Minuten

1. Pastorale Situation

Ein Tag mit Jugendlichen während der Vorbereitung zur Konfirmation

2. Bibliodramatische Elemente

Wir wollen euch heute zu einer Begegnung mit Texten aus der Bibel einladen. Die Bibel wird in unserer Tradition als Wort Gottes bezeichnet. Was bedeutet dieser Ausdruck? Eine jüdische Geschichte drückt es so aus:
"Ein Rabbi sagt zu seinen Schülerinnen und Schülern: Wisst ihr, das Wort Gottes ist keine Lehre. Wenn wir es lesen oder hören sind wir nicht gescheiter als vorher. Es ist auch nicht einfach eine Stimme, obwohl die Stimme seiner Wahrheit schon näher kommt. Nein! Das Wort Gottes ist eher ein Raum. Und wir sind eingeladen, hineinzugehen, zu tasten, wahrzunehmen mit allen Fasern unseres Lebens, was das Wort uns hier und heute sagen will."

Drei Elemente aus dieser Geschichte werden heute eine besondere Rolle spielen:
- der Raum
- unser Körper mit dem wir gehen, tasten, wahrnehmen
- unser Leben, deines, meines, unseres hier und heute

Am Anfang lade ich euch ein, den Raum, in dem wir uns befinden, genauer wahrzunehmen. Er soll heute zum Raum des Wortes Gottes werden. Ich lade jede einzelne und jeden einzelnen von euch, dich ganz persönlich ein, dir deinen Platz in diesem Raum zu suchen. An welchem Ort ist es dir am wohlsten? Stehst du gerne im Zentrum? Hast du gerne eine Wand, um dich anzulehnen? Versteckst du dich gerne? Schaust du gerne zum Fenster hinaus? Such dir den Ort, an dem es dir am wohlsten ist und geh dorthin.

Bitte suche dir jetzt an deinem Ort einen guten, festen Stand und stelle dich aufrecht und bequem hin. Wenn du möchtest, schliesse die Augen. Ich bitte dich, einige Minuten ganz still zu sein.
Ich lade dich ein, ganz langsam deinem Körper zu spüren, von ganz oben bis ganz unten. Von den Haarspitzen bis zu den Fusssohlen. Du hast schon gehört, dass es heute darum gehen soll, wie wir Neues und Unerwartetes wahrnehmen und darauf reagieren. Wie nehmen deine verschiedenen Körperteile wahr, wenn etwas Neues und Unerwartetes passiert?
Nimmst du mit deinen Haarspitzen wahr, wenn etwas Neues und Unerwartetes passiert? Wie reagieren sie?
Wie reagierst du mit deiner Stirn und hinter deiner Stirn, in deinem Gehirn auf Neues und Unerwartetes?
Wie mit deinen Ohren?
Deinen Augen?
Deinem Mund?
Mit der Haut in deinem Gesicht?
Reagierst du mit deinem Hals?
Wie reagieren deine Schultern auf Neues und Unerwartetes?
Wie deine Brust?
Wie nimmt dein Bauch Neues und Unerwartes wahr?
Wie dein Rücken?
Wie reagierst du mit deinem Unterleib?
Deinem Hintern?
Nehmen deine Beine Neues und Unerwartetes wahr? Wie?
Deine Knie?
Deine Füsse?
Deine Fusssohlen?

Mit welchem Teil deines Körpers nimmst du Neues und Unerwartetes am intensivsten wahr?

Öffne deine Augen jetzt wieder und bewege dich, schüttle deinen Körper aus.

Kommt jetzt alle wieder in den Kreis.
Wir haben den Raum hier wahrgenommen und unseren Körper. Jetzt wollen wir genauer wahrnehmen wer hier und jetzt eigentlich da ist.

Wir werden heute einem Bibeltext begegnen, in dem erzählt wird, wie ein Kind einen Namen bekommt. Wir alle haben bei unserem Eintreten in diese Welt einen Namen bekommen. Wenn ich gleich fertig bin mit Erklären, bitte ich dich, mit deinem Vornamen hier durch den Raum zu gehen. Sprich ihn laut aus oder rufe ihn gar. Du sollst andere finden, deren Vorname mit dem gleichen Buchstaben beginnt wie deiner. Alle, deren Vornamen mit dem gleichen Buchstaben beginnt, sollen sich finden und zusammenstehen. Es geht los.

Wenn alle sich gefunden haben, werden nacheinander alle Namen laut gesagt.

Stellt euch bitte alle wieder in den Kreis.
Wir werden heute einem Bibeltext begegnen, in dem von einer Geburt erzählt wird. Wir alle sind Geborene. Wo bist du geboren? An welchem Ort?
Hier in der Mitte ist XY (der Ort der Veranstaltung). Das ist heute der Nabel der Welt, die Mitte, das Zentrum. Wer in XY geboren ist, stellt sich hierher. Wer in der nächstgrösseren Stadt geboren ist, stellt sich etwas weiter weg von der Mitte und wer in Australien geboren ist, stellt sich ganz nach aussen. Wo bist du geboren?

Wenn alle ihren Platz gefunden haben, werden die einzelnen Geburtsorte laut gesagt.

Bitte stellt euch wieder in den Kreis.
Wir werden heute Texten aus der Bibel begegnen, in denen Menschen zugesagt wird, dass sie besondere Menschen sind und einen besonderen Wert haben. Dafür werden etwas altertümliche Ausdrücke gebraucht. Einer Frau wird gesagt: Du bist voller Gnade. Über einen Mann wird gesagt: Er ist gerecht.
Wir brauchen heute andere Ausdrücke, wenn wir über jemand sagen wollen, dass er oder sie ein besonderer Mensch sind, den wir gut finden. Als ich etwa in eurem Alter war, sagte man zu solchen Menschen: Du bist voll in Ordnung.
Wir sind hier etwa 40 Personen. Ich möchte, dass wir 40 Ausdrücke finden, die wir zu einem Menschen sagen, den wir gut finden, voll in Ordnung, gerecht, voll der Gnade.
Ihr ruft mir die Ausdrücke zu. Ich schreibe jeden Ausdruck auf einen Zettel und lege ihn in die Mitte.

Die Ausdrücke werden gerufen und auf Zettel geschrieben, die Zettel werden in die Mitte gelegt.

Ich möchte jetzt diesen Einstieg in den heutigen Tag beenden und tue dies wieder mit einer jüdischen Geschichte.
„Ein Rabbi wurde einmal von seinen Schülerinnen und Schüler gefragt: Rabbi, was ist ein Mensch? Der Rabbi nahme zwei Zettel. Auf den einen schrieb er:
Staub bist du und zu Staub wirst du wieder werden. Auf den anderen schrieb er:
Du bist das Ebenbild Gottes.
Und er steckte jedem seiner Schülerinnen und Schüler diese beiden Zettel in die Hosentasche. Den ersten in die linke, den zweiten in die rechte Hosentasche. Und er sagte: wenn du überheblich wirst, dann greif in die linke Tasche, nimm den Zettel und lies: Staub bist du. Und wenn du am Boden zerstört bist, dann greif in die rechte Tasche, nimm den Zettel und lies: Du bist das Ebenbild Gottes.
Ich glaube, dass wir viel zu oft in die linke Tasche greifen und uns wie Staub am Boden fühlen. Deswegen möchte ich euch allen für den heutigen Tag die rechte Tasche füllen. Nimm dir einen der Zettel hier aus der Mitte und steck ihn dir in die rechte Tasche. Und denke heute den ganzen Tag immer mal wieder daran:
Du bist Gottes Ebenbild.