Main Content
Zitate des Monats
Ein herausforderndes Zitat des Monats Januar 2012
"Bibliodrama, das an den avantgardistischen Ränden von Kunst und Kirche geboren wurde, ist heute weitgehend als gemässigte Methode in Gemeindepraxis, Pädagogik und Homiletik eingebunden ... Bibliodrama ... ereignet sich an liminalen Orten des Übergangs, der Veränderung, des Ausprobierens, der Intensitätssteigerung, des Wechsels."
Björn Krondorfer, Bibliodrama interreligiös? Ansätze und Begrifflichkeiten in: Textraum. Bibliodrama Information, hrsg. von der Gesellschaft für Bibliodrama e.V., Ausgabe 35 November 2011, S. 8 und 11.
Zitat des Monats Dezember 2011
"So rechne jede/r mit uns: als Diener des Messias und Verwalterin der Geheimnisse Gottes (1Kor 4,1). Es ist ziemlich offensichtlich: Als Diener/in des Messias hat der Mensch die Vollmacht, die Geheimnisse Gottes zu verwalten ... aufgrund und in Vertretung der Botschaft des Messias."
Franz J. Hinkelammert, Der Fluch der auf dem Gesetz lastet. Paulus von Tarsus und das kritische Denken, Edition Exodus Luzern 2011, S. 96, gendergerecht ergänzt)
Zitat des Monats November 2011 (im Nachklang zur Israelreise der Wislikofer Schule 2010 und im Vorklang zur Reise auf den Franziskusweg in Umbrien 2012):
"Da man so schwer gleichzeitig mit den Texten und Ereignissen èder Bibel PZ] werden kann, wird man so wenigstens gleichortig und ist dem Geschehen auf diese Art räumlich nah ... Doch liegt in der Irritation, die durch den Besuch an solchen Orten ausgelöst wird, eine Chance: Zum einen versteht der Besucher die Geschichtlichkeit dessen, was man Offenbarung nennt; Erfahrung Gottes ist immr gebrochen durch den, der etwas erfährt - und nur im Gespräch der Menschen und Zeiten miteinander "wächst" die Ganzheit der Offenbarung."
Georg Röwekamp, Warum heute zu biblischen Orten reisen? in: bedeutende Orte der Bibel. Welt und Umwelt der Bibel. Jubiläumsheft 4/2011, S. 2 und 5.
Zitat des Monats Oktober 2011:
"Was wichtig ist: das Unsagbare, das Weisse zwischen den Worten, und immer reden diese Worte von den Nebensachen, die wir eigentlich nicht meinen. Unser Anliegen, das eigentliche, lässt sich bestenfalls umschreiben ... Man gibt Aussagen, die nie unser eigentliches Erlebnis enthalten, das unsagbar bleibt: sie können es nur umgrenzen, möglichst nahe und genau, und das Eigentliche, das Unsagbare, erscheint bestenfalls als Spannung zwischen diese Aussagen ... Man sagt, was nicht das Leben ist. Man sagt es, um des lebens willen ... Diese Oberfläche alles letztlich Sagbaren, die eins sein müsste mit der Oberfläche des Geheimnisses..."
Max Frisch, Tagebuch 1946-1949, Frankfurt/Main 2011, S. 36f
Zitat des Monats September 2011:
"Die Weisheit hat ihr Haus gebaut, und sie lädt ein, sich an ihren Tisch zu setzen. Nicht nur eine Person und ihre Geschichte konfrontiert uns mit uns selbst, auch ein Raum öffnet sich, in dem gelebt, geliebt, gefeiert und gehandelt werden kann. Ein Raum, in dem sich Menschen unterschiedlich bewegen und entfalten können. Ein Raum, in dem Verschiedenes Platz hat und nicht zusammenstossen muss. Ein Raum, in dem das Eigene und das Fremde sich begegnen, wo Selbstverantwortung und Freundschaft gelebt werden können ...".
Elisabeth Moltmann-Wendel, Der auf der Erde tanzt. Spuren der Jesusgeschichte, Radius Verlag Stuttgart 2010, S. 91f.
Zitat des Monats August 2011:Ein gutes Modell für offene Fragen beim Bibliodrama:
"Eines Tages wollte Gott wissen, wie ihn die Wesen seiner Schöpfung eigentlich sehen ... Und so kam Gott auf die Erde, unsichtbar wie ein Gedanke und neugierig wie ein Kind. "Wie sieht Gott aus?", fragte Gott den Schmetterling, der gleich ängstlich zur Seite flatterte. Als das scheue Wesen sich beruhigt hatte, sagte es: "Gott ist wie eine zauberhafte Hand, die alles Hässliche in Schönheit verwandelt, die eine unansehnliche Raupe in ihrem Kokon streichelt, und schon komme ich heraus." Zufrieden streichelte Gott den Schmetterling, und der freute sich über zwei neue bunte Streifen , die seine Flügel schimmern liessen."
Rafik Schami, Wie sehe ich aus", fragte Gott zitiert nach der Leseprobe in Chrismon. Das evangelische Magazin. Nr. 8/2011, S. 38
Zitat des Monats Juli 2011:Nach der Bibliodramawoche zum Buch Tobit (20.-24.6.2011):
"Der Fisch bietet Jesus seine Buchstaben an ... Das Wort "Ichthys" wird zum Bekenntnis für "Jesus Christus, den Sohn Gottes, den Retter" ... Was der Fisch hier tut, ist ein Grundvollzug der Schöpfungswirklichkeit: Wenn Gott sich in unsere Wirklichkeit offenbart, leiht die Schöpfung immer ihre Buchstaben, sozusagen Teile ihres ganzen zur Verfügung stehenden Alphabetes. Dazu gehören auch Feuer (brennender Dornbusch), Brot und Wein (Eucharistie) usw. Ohne Leihgaben der Schöpfung gäbe es "Gott im Fleisch" wohl kaum ... Aber in jedem Fall gibt die Schöpfung ihre Möglichkeiten, ihr "Aplhabet" als Leib für die Auswortung Gottes in unsere Wirklichkeit."
Ulrike Wolitz in: Silja Walter, Die Beichte im Zeichen des Fisches. Ein geistliches Tagebuch. Paulus Verlag Freiburg Schweiz 1999, S. 39.
Zitat des Monats Juni (2) 2011:
"Dass das geht, hineinsehen, hinein in ein Bild, in dieses Bild und hindurch nach innen, finde ich wunderbar. Die ganze Heilige Schrift tut sich auf, holt mich in ihre undurchschaubare Geheimnistiefe, und ich denke mir, immer tiefer hineinsehen, immer tiefer da hinein geholt werden, genügt sicher, um zu Gott zu kommen."
Silja Walter, Das dreifarbene Meer. Meine Heilsgeschichte - Eine Biographie. Paulus Verlag Freiburg Schweiz 2. Aufl. 2009, S. 64f.
Zitat des Monats Juni/Pfingsten 2011:"Dieses tausendfach gehörte Wort, an das wir uns gewöhnt hatten und das uns voneinander entfernte, nun ertönt es erneut wie zum ersten Mal, so dass es neu bei uns erscheint, obwohl es wie die Wortes des Liebhabers nur dasselbe alte Lied anstimmt. Und da bilden wir von neuem so etwas wie ein Volk, da jeder dasselbe in seiner eigenen Sprache vernimmt und wir uns erneut einander nah fühlen, nein! Sehr viel näher als wir einander je waren, als vertieften wir endlich, zum ersten Mal dieses Gefühl der zusammengehörigkeit. "Ah!" rufen wir verblüfft aus, "das also sond die Worte, die wir ausgesprochen haben, ohne auch nur daran zu denken! Die unsere Väter [und Mütter PZ] vorgetragen haben, ohne dass wir ihren Sinn erfassten. Das also meinten die Rituale, die wir mechanisch aufführten! Diese Nachbarn mit ihren fremdartigen Sitten sind also unsere Brüder [und Schwestern PZ] trotz all dieser Verschiedenheit ...?" So gäbe es also Worte, derart wundersam, dass sie Sprecher und Hörer im selben Moment schaffen und zu einem neu berufenen Volk versammeln, das dieselbe, endlich begriffene Botschaft eint?"
Bruno Latour, Jublieren. Über religiöse Rede. Suhrkamp Verlag Berlin 2011, S. 71f.
Zitat des Monats Mai 2011 (2):
"Hier wird in Mt 2,15 Hos 11,1 zitiert: "Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen." Das ist sprachlich und der Sache nach eine Vergangenheitsaussage ... Hos 11,1 ist ... ein Rückblick auf den Exodus. Der "Sohn" ist dabei, das ist unübersehbar und unbestreitbar, das Volk Israel. Schutz und Rettung durch und dann aus Ägypten werden damit angesprochen, und das für den geliebten Sohn. Hier "erfüllt" sich nichts, weil nichts verheissen ist, es geht um kein Versprechen, das eingelöst wird, sondern vielmehr um so etwas wie einen Sinn-Raum, der durch Verweis und Zitat eröffnet wird. ein Raum öffnet sich durch diese Worte und die vielen damit verbundenen biblischen Assoziationen ... "Der Gottessohntitel spannt sich wie ein Schirm über Israel und Jesus.""
Frank Crüsemann, Das Alte Testament als Wahrheitsraum des Neuen. Die neue Sicht der christlichen Bibel, Gütersloh 2011, S. 242f (der letzte Satz ist selbst Zitat aus Jürgen Ebach, Josef und Josef, Stuttgart 2009 S. 86.)
Zitat des Monats Mai 2011 (1):
"Pop-Songs sind, wenigstens wenn sie gelingen (was von so vielem abhängt), sofort allgemein zugänglicher Ausdruck unverwechselbarer, eigentlich unkommunizierbarer, subjektiver Herzens- oder Geistesinnerlichkeiten. Allgemein zugänglich heisst nicht allgemein verständlich. Der unmittelbar allgemein verständliche, ansatzlos vertraute und vollständig transparente Pop-Song ist - vollständig nichtssagend, trivial. Allgemein zugänglich dagegen kann etwa heissen: Da ist eine Formulierung, eine Zeile oder ein Refrain; gekoppelt mit einer hookline, einer sogwirkenden, provozierenden, verführenden oder überraschenden Melodie kann diese Formulierung zu einem Schlüssel werden, der unmittelbar ganze Bedeutungsräume erschliesst, der einen unmittelbaren Kontakt innigster Verständigung zwischen einem Text und einem Herzen erschliesst."
Knut Wenzel, HoboPilgrim. Bob Dylans Reise durch die Nacht, Gründewald Verlag 2011, S. 29f.
Zitat des Monats April 2011:
"Wir müssen die alten Fragen immer wieder neu stellen, aber offen sein für neue Antworten."
Tony Judt, Dem Land geht es schlecht. Ein Traktat über unsere Unzufriedenheit. Carl Hanser Verlag München 2011, S. 122.
Zitat des Monats März 2011:
"Beim Schreiben hören Sie Musik - Mozart oder Heavy Metal? - Eher Mozart ... Ich suche offene Symphonien - wie etwa die von Mozart. Bei seinen Kompositionen fehlt immer eine Stimme, die man sich dann im Kopf dazudenken muss. Er liess ja mit Absicht in seinen Partituren eine Linie weg. Und weil eben diese Zeile fehlt, kann man Mozart endlos hören, ohne müde zu werden. Das will ich auch beim Schreiben umsetzen: Der Leser muss seine Stimme ergänzen."
Interview mit dem Krimiautor Jussi Adler-Olsen ("Erbarmen" und "Schändung" sind bei dtv erschienen) in: Chrismon. Das evangelische Magazin Heft 1/2011, S. 7
Zitat des Monats Februar 2011:
"Die Hauptaufgabe des Palavers ist die Auslegung des Wortes. Um dies richtig zu verstehen, ist es wichtig, sich zu vergegenwärtigen, dass das Wort nach der afrikanischen Rationalität nicht einfach papageienartig registriert wird, sondern nachdem es vernommen ist, muss es noch gekaut und verdaut werden. Das individuelle Kauen und Verdauen sind aber noch keine Garantie dafür, dass das Wort schon in der Lage ist, Leben zu spenden. Das Palaver ist das Moment eines gemeinsamen Kauens und Verdauens. Die Gemeinschaft prüft, ob das individuell vernommene Wort heilsam oder giftig für das Leben ist ... Bedenkt man etwa diese Weisheit der Bambara von Mali, dass das Wort zu breit für nur einen Mund sei, wird man die Funktion der Gemeinschaft in Bezug auf das gemeinsame Kauen und verdauen besser begreifen."
Bénézet Bujo, Ökumenische Potentiale in afrikanischer Theologie in: Schweizer Kirchenzeitung 4/2011, S. 56-60 hier 59f.
Zitat des Monats Januar 2011:
"Die Fischerkanzel von Gaspoltshofen ist eine gestaltete Bühne, von der die Kraft ausgeht, auch andere Bereiche des Raums umzudeuten ... Die biblischen Geschichten, aus denen die geschnitzten Figuren und andere Elemente der Kanzel stammen, werden zum Leben erweckt, wenn ein Sprecher die Kanzel betritt und eine Rolle übernimmt. Sie sind aus sich heraus schon Predigt, eine Verkündigung des lebendigen Gottes, der aus Dunkel und Angst befreit und zur Auferstehung führt ... Indem wir Kanzeln als Bühnen für Bibliodrama-Elemente nutzen, geben wir ihnen ihren ureigenen Nutzen zurück."
Ruth Pucher, Wien, Die Kanzel als Bühne. Bibliodrama-Elemente in Kirchenführungen - ein Praxisbeispiel in: Textraum. Bibliodrama-Information Ausgabe 33 November 2010, S. 14.
Zitat des Monats Dezember 2010:
"Bis zu vier, fünf Personen lässt der Koran bisweilen "auftreten", die in dramatischer Wechselrede die jeweilige Geschichte aktualisieren. Die Stilmittel des Korans sind nicht traditioneller Bibelprosa vergleichbar, sondern denen des modernen Bibliodramas. Und da alles im Koran Gottesrede ist, folgt daraus, dass Gott sich im Koran als Dramatiker zeigt, der seine Freude hat an Rollenspiel und Wechselrede."
Karl-Josef Kuschel, Mein Koran in: aufbruch. Unabhängige Zeitschrift für Religion und Gesellschaft Nr. 178 vom 23.12.2010 S. 55.