Main Content
Adam, wo bist du? Bibliodrama und Berufungspastoral
Vortrag von Claudia Mennen bei der Tagung "Heute haben wir Unglaubliches gesehen" - Impulse aus dem Bibliodrama für die Berufungspastoral - am 26.10.2007 in Hertenstein
Einstieg mit Folie aus einem mittelalterlichen Codex zu Gen 3
Gen 3,1-7
Rechts: der Mensch und die Menschin, noch Namenlos, der sich vor Gott versteckt; sie haben von dem Baum der Erkenntnis gegessen; ihnen sind die Augen aufgegangen; sie erkennen, dass sie nackt sind; das waren sie allerdings zuvor auch; aber da war Nacktsein noch keine Schande; jetzt ist die Selbstverständlichkeit der Beziehung verloren gegangen; die Selbstverständlichkeit zwischen Mensch und Menschin und zwischen den beiden und Adonai
Gen 3,8-10
Die Schöpfungsgeschichte zeigt uns einen suchenden, einen sehnsüchtigen Gott; er ruft nicht nur; nein er ruft Adam zu „Adem, wo bist du?“ Sein ganzes Verlangen zieht ihn zu seinen geliebten Menschen; ohne sie, will es nicht sein:
Auf unserem Bild sie sind die beiden aus ihrem Versteck geklettert; sie haben Adonais Rufen gehört; es ist die Stimme, mit der Geliebte sich rufen; mit bebendem Herzen, mit Scham und schlechtem Gewissen stellen sie sich; und sie stellen sich auch uns: fragend mit weit geöffneten Augen schaut Adam aus dem Bild heraus; er schaut uns an: Wer gibt meiner Blösse einen Mantel? Wer gibt mir ein Ansehen? Wohin geht mein Weg?
Adam, wo bist du?
Im Bibliodrama zeigt sich, wie Menschen diesen Ruf Gottes hören!
Adam, wo bist du?
Adam, wo bist du?
Höre ich den Ruf als ärgerlichen, strengen, Befehl, in einem Kommandierton?
Höre ich im Ruf das Liebeswerben Adonais, ein sorgenvolles Suchen des Liebenden, der seinen Geliebten herbeisehnt?
Adam, wo bist? Mensch, wo bist du?
Das ist die zentrale Frage, nein mehr als Frage ist es ein Ruf, der an jeden Menschen ergeht und jeder Mensch ist eingeladen, auf diesen Ruf eine persönliche, unverwechselbare Antwort zu geben.
Dabei ist klar und muss nicht extra betont werden, dass mit dem Terminus Ruf/ Berufung das Finden des eigenen Wegs gemeint ist, sei es als Lehrer, Mutter, Arbeiter, Katechetin und oder Priester, Ordensfrau und Ordensmann. Allerdings geht es um mehr als einen Beruf, es geht um die Stimmigkeit der eigenen Identität, um Lebensfülle, die ich nur finde, wenn ich in Übereinstimmung lebe mit mir selbst.
Was hat das nun alles mit Bibliodrama zu tun? Was hat Bibliodrama mit Seelsorge und dann auch noch mit Berufung oder Berufungspastoral zu tun?
Zu folgenden gedanklichen Schritten möchte ich sie heute Morgen einladen:
1. Ein Blick auf die Identitätssuche von Menschen, denen wir in unseren Arbeitsfeldern begegnen und dazu
2. einen Blick auf die Identitätssuche von Menschen, die in der Kirche Verantwortung tragen
3. Dann einen ausführlichen Blick auf das seelsorgliche Bibliodramaverständnis von dem Pastoraltheologen Nicolass Derksen und den Pastoralpsychologen Franz Andriessen
Kommen wir zum ersten Schritt
1. Wenn du mich doch berühren würdest – Sehnsucht nach religiöser Verankerung der eigenen Lebensgeschichte
Die Sehnsucht nach religiösen Erfahrungen ist gross angesichts einer rationalen und durchrationalisierten Alltagswelt. Menschen innerhalb und ausserhalb der Gemeinden wollen keine Religion, keinen Glauben aus zweiter Hand. Sie möchten erlebt haben, was sie glaubend bekennen. Der Glaube, wie ihn die Kirchen überliefern, muss zum eigenen Glauben, zu einem von der eigenen Erfahrung gedeckten Glauben werden. So wie in den biblischen Geschichten häufig einzelne, mit Namen genannte Menschen berufen werden und auf diesen Ruf Antwort geben, so wollen Menschen in den Gemeinden auch als Einzelne auf ihren Glauben und ihr Leben angesprochen, gefragt und bei ihrem Namen genannt werden.
Gleichzeitig ist die Sehnsucht gross, mit den eigenen Erfahrungen nicht allein zu sein. Auch religiöse Erfahrungen brauchen Resonanz. Sie wollen in den Augen anderer gesehen und gewürdigt werden. Sie möchten geteilt und gefeiert werden.
Neben die Suche nach einem unvertretbaren und selbsterfahrenen Glauben tritt das Bedürfnis nach Zugehörigkeit. Es werden Menschen gesucht, die ähnliche Erfahrungen machen und mit denen ich zusammen auf dem Weg sein kann.
In einem eindrücklichen Plädoyer hat Karl Rahner schon in den 70ziger Jahren darauf hingewiesen, die Seelsorge in der Gemeinde als mystagogische Seelsorge zu gestalten. Rahner geht dabei von der Frage aus, wie angesichts voranschreitender Entmythologisierung den Menschen ein Bewusstsein für die Existenz Gottes vermittelt werden kann. Mystagogie bedeutet dementsprechend die Hinführung des Menschen in das Geheimnis von Gottes gnadenhafter Selbstmitteilung. Mystagogische Seelsorge begreift die Lebensgeschichte und den Alltag der Menschen als bevorzugten Offenbarungsort Gottes. Sie hat das Bestreben, verschüttete Sehnsüchte als auch verdrängte Ängste, unverarbeitete Trauer und Verwundungen im Gespräch zu erhellen und dadurch Prozesse auszulösen, die zur Heilung führen.
„Ich bin hier gemeint und sonst niemand. Dass es andere wir mich gibt, ist wahr, aber nur in einem gewissen Sinne. Denn jeder Mensch sucht das Grossartige und Erschreckende, das ihn vereinsamt vor Gott Stellende, nämlich dass es ihn nur einmal gibt. Er muss es sagen; er kann nicht in die Menge zurück fliehen; er kann nicht in das, was immer und von allen gilt, hineinverstecken. Der Mensch, das bin ich ganzallein, so sehr es wahr ist, dass dies auch jeder andere, der Mensch ist, von sich sagen muss. Aber eben dies. Was er von sich sagt, ist eben nicht das „Allgemeine“, sonder hier muss das Allgemeine in der absoluten individuelle Einsamkeit gehört, gelesen, erfahren und angenommen werden, in die Existenz von je mir.“
2. Schritt: Der Wunsch pastoraler Mitarbeitenden
Wenn ich doch Menschen mit dir verbinden könnte…
Fragt man die Seelsorgenden, was sie am belastensten in ihrer Arbeit empfinden, dann sind dies die Managementaufgaben (organisieren, delegieren, animieren, motivieren, kontrollieren) einerseits und die geringe Resonanz auf ihre pastoralen Bemühungen z.B. im Zusammenhang mit der Kinder-, Jugend- und Elternkatechese andererseits.
Nicht wenige leiden darunter, dass die Frage nach dem, was Menschen in der Tiefe bewegt und umtreibt, im Getriebe des Gemeindealltags nicht zum Zuge kommt. Das gemeinsame Bemühen um das Wachsen eines persönlichen und gemeindlichen Glaubensbewusstseins spielt im Konzert von Organisations- und Planungsaufgaben nur noch eine Nebenrolle.
Hinzu kommt, dass vielfach Ratlosigkeit herrscht, wie an den vitalen Lebensbedürfnissen und Fragen der Menschen angeknüpft werden kann. Nicht selten fehlt das Handwerkszeug, um die widersprüchlichen und vielfältigen Lebensgeschichten einzelner mit der jüdisch-christlichen Überlieferung zu verbinden.
3. Schritt
Bibliodrama als Seelsorge – das Modell von Andriessen und Derksen
Im Spannungsfeld der gegenwärtigen Pastoral verorten die beiden niederländischen Theologen Herman Andriessen und Nicolaas Derksen ihr Bibliodramamodell. Sie bezeichnen es als Seelsorge. Sie gehen davon aus, dass trotz der Verdunstung des institutionell Religiösen die Fragen der Menschen nach einer religiösen Deutung des Lebens lauter denn je geworden sind. Im Hinblick auf das Leben der Pfarreien bedeutet dies, dass die Verantwortlichen - gemeint sind haupt-, neben-, und ehrenamtlich Verantwortliche - sich um ein gemeinschaftliches, sowie um ein persönliches Glaubensbewusstsein bemühen, um der Botschaft vom Reich Gottes Ausstrahlung zu verleihen. „Wenn in der Pfarrgemeinde Menschen nicht auf ihr eigenes Glaubensbewusstsein angesprochen werden, weist das pastorale Handeln einen strukturellen Mangel auf.“ Andriessen und Derksen sehen im Bibliodrama einen Weg, durch den das persönliche und das gemeindliche Glaubensbewusstsein gestärkt und vertieft werden kann.
Durch Bibliodrama finden Menschen tiefer, wer sie unter Gottes guten Augen sein können und sie lernen ihr Leben in seinen Verweisen auf Gott lesen und gestalten
3.1 Die Bedeutung des biblischen Textes
Die biblischen Texte sind für Andriessen und Derksen unüberbietbare Grundlage und Ressource für einen erfahrungsbezogenen Glauben. Sie bewahren vielgestaltige Erfahrungen von Frauen und Männern, denen Gott seine Freundschaft anbietet. Zum besonderen Charakter biblischer Geschichten gehört auch, dass sie einzelnen oder dem Volk als Ganzen ein Glaubens-, ein Heilsangebot machen. Jede Unheilsituation läuft auf eine Heilszeit zu. Allerdings wird das Volk auf dem Weg zum Heil mit seinen Schattenseiten konfrontiert.
Im Bibliodrama erscheinen die biblischen Geschichten als Identifikationsmöglichkeiten für die Teilnehmenden. Sie stellen die Teilnehmenden auf den Boden der Tradition mit ihren Wege und Umwegen, Ressourcen und Widerständen. Sie geben die Möglichkeit, einen Platz in der langen Heils- und Unheilsgeschichte zu finden.
Im Bibliodrama ist der Text mit seinen Rollen das Vorgegebene. Er stellt den Wahrnehmungsrahmen dar, in dem die Teilnehmenden einander begegnen. Sie finden sich in eine Situation gestellt, die ihnen etwas zu sagen hat und die eine Antwort von ihnen verlangt. Die Erzählung beeinflusst das Handeln der Spielenden. Umgekehrt erfährt die Erzählung in der Lebens- und Glaubensgeschichte der Teilnehmenden eine Fortsetzung.
Die Frage, die im Bibliodrama Menschen in Bewegung bringt, lautet: Was ist für mich die Botschaft dieses Textes und wie antworte ich mit meinem Leben darauf?
3.2. Eine neue Perspektive auf das Leben gewinnen
Im Bibliodrama werden biblische Geschichten in ihrer Relevanz für das Leben und den Glauben der Einzelnen thematisiert. Auf diese Weise wird ein Raum eröffnet, indem die Teilnehmenden ihre Lebensgeschichte in ihren Verweisen auf Gott lesen lernen.
Durch das Aufeinandertreffen von christlicher Überlieferung und der Lebensgeschichte der Teilnehmenden entsteht im Bibliodrama eine Dynamik, in der sich eingespielte Grundmuster der Wahrnehmung und des Handelns angesichts der jüdisch-christlichen Tradition und wie diese im Bibliodramaspiel zum Ausdruck kommt, bewähren müssen. Es wird dabei für die einzelnen sichtbar, was angesichts der Herausforderungen der biblischen Geschichte an Zustimmung oder an Widerstand in ihnen lebt. Die eigene Lebens- und Glaubensgeschichte erhält so ein „Mehr“ an Bedeutung und Tiefe.
3.3 Auf die persönliche Beziehung zum „Geheimnis“ angesprochen werden
Die Teilnehmenden schätzen am Bibliodrama, dass sie im Verlauf des Prozesses als Einzelne angesprochen werden. Nach dem Bibelgespräch und der theologisch begründeten Verortung des Textes im Raum, werden die Teilnehmenden eingeladen, sich in ihrer Rolle (diese stammt aus dem Text) einen Standort im „Textraum“ zu suchen, der ihnen stimmig erscheint. In der so genannten Rollenrunde werden die Teilnehmenden gefragt „Wer bist du?“. Diese Frage eröffnet ein kurzes Gespräch, das dazu dient, in der gewählten Rolle immer mehr Wohnung zu nehmen.
Dazu ein Beispiel:
Teilnehmer (am Ort der Sendung): „Ich bin Mose und muss einen Auftrag erfüllen, der viel zu schwer für mich ist! Ich muss nach Ägypten zum Pharao. Der unterdrückt meine Schwestern und Brüder. Aber ich traue mich nicht, ich habe Angst.“
Seelsorgerin: „Gott hat sich dir schon offenbart und dich berufen?!“
Teilnehmer zögert, ist unsicher: „Ich weiss nicht so recht…nein, ich glaube nicht. Ich habe einen Auftrag, aber ich glaube, der Dornbusch hat noch nicht gebrannt.“
Seelsorgerin: „Ja, du stehst am Ort der Sendung. Vielleicht willst du zum Ort der Offenbarung und Berufung zurück?!“
Teilnehmer (mit ein wenig Erleichterung): „Ich glaube, ich muss noch mal an den Dornbusch zurück. Ich kann mich an kein Wort Agonais mehr erinnern. Das habe ich wohl irgendwie nicht gehört.“
3.4 Identität aus der Erfahrung des Glaubens entwickeln
Wenn es darum geht, die eigene Berufung oder auch nur den nächsten Schritt im Licht des Evangeliums tiefer zu erkennen, dann erweist sich das Bibliodrama als ein taugliches Instrument, eine persönliche, in der eigenen Glaubenserfahrung begründete Identität zu gewinnen und zu vertiefen. Es geht um die existenzielle Erfahrung, sich selbst und die anderen als Person und damit als ‚Geheimnis’ wahrzunehmen. Es geht um die Entdeckung, wie mein Leben heute mit dem Geheimnis Gott verbunden ist.
In dieser Hinsicht kann man dem Bibliodrama subversiv identitätsbildende Kraft zubilligen. Aus meiner wissenschaftlichen Arbeit über die Bedeutung des Bibliodramas in der Lebensgeschichte von Frauen, möchte ich ihnen eineBeispiel geben:
Magdalena ist zum Zeitpunkt des Interviews Ende 30. Sie ist Theologin und arbeitet als Pastoralassistentin in der Kirche.
Magdalena erzählt, wie sie sich als Jugendliche in der Institution Kirche wohlgefühlt hat. Viele „gute Frauen und Männer“, haben sie gefördert, aufgenommen und für sie gesorgt.
Im Studium erlebt sie ihre erste Ambivalenzerfahrung mit der Institution Kirche: Sie fühlt sich von der Professorenschaft und den Priesterkanidaten als Person abgewertet und entwürdigt. Ihr Kirchenbezug wandelt sich von einer vorkritischen Beheimatung zu einer kritischen Verortung innerhalb der Institution. Auch dies beschreibt sie als Frucht des Bibliodramas.
Magdalena erzählt, dass sie die längste Zeit ihrer religiösen und kirchlichen Sozialisation nie nach ihren persönlichen Glaubenserfahrungen gefragt wurde. Sie beschreibt ihre religiösen Erfahrungen als kollektive Religiosität in der Katholischen Kirche. Als kollektiv vorgeprägte Muster hat sie diese mitvollzogen.
„Und wenn ich so vom Jetzt-Standpunkt zurückgucke, was unterscheidet die Zeit ähm vor dem Bibliodrama von der Zeit nach dem Bibliodrama? (3), dann/dann ist das schon ein Qualitätssprung. (12) Also in der Zeit vorher, da war viel Gutes gelegt, da war viel Geborgenheit und Aufgehobensein (2), aber da war ich nicht, also ich war nicht als Einzelne gemeint, herausgefordert. Ich war da eingebettet (10) Und für mich ist es in den letzten Jahren immer stärker spürbar geworden, dass auch, wenn das manchmal ein sehr einsamer Weg ist, ähm, (3) ja dass ich mich an diesem Gott festmachen kann (2) und dass er mit mir geht oder sie. (3) Und dass ich in dieser Beziehung gut aufgehoben bin. Und dass keine Kirche und kein schlechter Pfarrer und kein/kein Bischof mit dummem Geschwätz und kein Papst mit frauenfeindlichen Parolen diese Beziehung kaputtmachen kann. (11) (atmet tief)
Im Bibliodrama erlebt Magdalena, dass sie als Einzelne angesprochen und herausgefordert ist. Sie macht die Erfahrung der unbedingten Annnahme als „geliebter Tochter“. Sie erlebt Gott immer mehr, als Eine/n, der/ die mitgeht. Diese Erfahrung, „die ihr keiner mehr nehmen kann“ stärkt sie im Widerstand gegen die Abwertungen von Seiten der kirchlichen Hierarchie, denen sie als Frau und Theologin ausgesetzt ist. Sie lernt im Kontext des Bibliodramas Menschen kennen, die im Laufe der Zeit zu ihren FreundInnen werden.
Magdalena beschreibt, wie durch das Bibliodrama innerhalb und am Rande der Kirche ein neues Milieu der Zugehörigkeit entsteht. Für Magdalena ist es selbstverständlich, dass diesem Milieu der Name Kirche zueignet.
3.5 Identität aus der Zugehörigkeit zur Kirche gewinnen
Im Bibliodrama ist die Möglichkeit gegeben, einerseits in sehr persönlicher und einmaliger Weise die eigenen Lebensgeschichte in ihren Verweisen auf Gott lesen zu lernen, andererseits aber als Einzelner nicht verloren zu gehen durch die Mitgabe der anderen in der Gruppe. So wird im Bibliodrama ernst genommen, dass der Glaube – auch und gerade als personal und biographisch eingewurzelter Glaube – auf den gemeinsamen Lebenszusammenhang des Volkes Gottes angewiesen ist.
„Wir brauchen einander für unseren Glauben“, so lautete das schlichte Resümee einer Teilnehmerin. Gegen zu beklagende Individualisierungstendenzen im Bereich des Religiösen setzt das Bibliodrama auf die Erinnerungsgemeinschaft. So wird gerade auch Teilnehmenden im Bibliodrama deutlich, dass wir von dem leben, was wir miteinander teilen. Eine solche Erinnerungsgemeinschaft entsteht dann, wenn geteilt wird, was wirklich „innen“ sitzt: Die Erinnerung an das Verlangen und an das Bewusstsein, dass von Gott her Heil und Hoffnung für mich, für uns besteht.
Bibliodrama und Berufungspastoral – ein persönliches Fazit
Ich möchte ein persönliches Fazit ziehen. In meinem Verständnis von Bibliodrama geht es um nichts weniger als das Entdecken der Person, die/der ich unter den guten Augen Gottes sein und werden kann. Im Bibliodrama öffnen wir das Geheimnis der Schrift auf diese Wirklichkeit hin. Die Bibel nennt diese innerste Wirklichkeit des Menschen Berufung. Das Wort Berufung hat zwei Pole: Ich und Gott. Gott beruft jede einzelne, geliebte Tochter, geliebter Sohn zu sein.
Berufung ist immer beides: Zusage und Aufgabe, Beherbergung und Weg; Stimme aus der Höhe und Antwort aus meinem Herzen, Gottes Sehnsucht nach mir und meine Sehnsucht nach seinem Geheimnis.
Und so gilt: Im Bibliodrama bin immer ich gemeint, unvertretbar ich - im Raum von Berufung und Verheissung, im Raum von Retten und Heilen.
Zum Schluss noch einmal unser Bild
„Adam, wo bist du?“
Wo bin ich heute morgen:
Bin ich noch eher auf der Seite, wo Mensch und Menschin im Verborgenen sich zurückhalten, weil sie Schutz brauchen, gerade auch vor befürcheter Unbarmherzigkeit
Oder bin ich eher auf der anderen Seite des Bildes: habe meine Deckung aufgegeben und schaue fragend und suchend umher?
Oder wie höre ich die Frage:
Kontrollierend, streng
Oder
Sehnsüchtig, suchend?
Claudia Mennen