Bibliodrama und Seelsorge


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Gottes grosse Taten verkünden (Apg 2,1-21)

Während eines Bibliodramas verändert sich unsere Wahrnehmung eines Bibeltextes. Der Text verlässt die zwei Dimensionen einer Buchseite, er wird dreidimensional. Er wird im Raum ausgelegt. Ich kann ihn begehen und darin meinen, Ort finden. Und der Text verlässt die Vergangenheit, in der er geschrieben wurde und ereignet sich jetzt.

 

Der Text Apostelgeschichte 2,1-21 und das Spiel

Im Bibliodrama zum Pfingsttext (Apostelgeschichte 2,1-21) wird der Text im Raum ausgelegt. Da gibt es das Haus, in dem die Jüngerinnen und Jünger versammelt sind und tief ergriffen und begeistert werden. Da ist der Ort, an dem offen und öffentlich von Gottes grossen Taten erzählt wird. Und den Ort, an dem die Worte des Propheten Joel erklingen. Ein Mitspieler lässt sich im Haus nieder. Seine Sehnsucht nach einem Raum, in dem tiefe und geisterfüllte Begegnungen möglich sind, hat ihn hergeführt. Er spricht von einem "geschützten Raum". Eine Mitspielerin, die draussen, am Ort der öffentlichen Verkündigung steht, will ihn herausholen. Er aber bleibt. Ein dritter Mitspieler hat die Rolle des Propheten Joel gewählt. Er steht zunächst draussen, geht aber im Laufe des Spiels ins Haus hinein und kommt wieder zurück. Er spürt, wie wichtig es für ihn ist, sich in den geschützten Raum zurückziehen zu können, um das (wieder) zu erfahren, wovon er draussen spricht.

 

Das Gespräch

Nach dem Spiel sprechen wir über unsere Erfahrungen. Was haben die Spielerfahrungen mit dem eigenen Glauben zu tun? Wir verstehen nun, dass der Anfang des Textes, die Erfahrung im Haus, nichts Einmaliges ist, sondern ein mitlaufender Anfang, einer, der immer wieder erinnert und neu erfahren werden will.

 

Übung für die pastorale Praxis (Dauer 25 – 30 Minuten)

Wie können Sie eine solche Wahrnehmung der Bibel auch in Ihrer pastoralen Praxis ermöglichen? Etwa beim Einstieg in Sitzungen von Pfarreigremien. Folgende Übung bezieht sich auf den Pfingsttext, ist aber auf jeden Bibeltext übertragbar. Zunächst wird der Text Vers für Vers reihum vorgelesen. Das wird wiederholt, aber so, dass der Nachbarin oder dem Nachbarn vorgelesen wird, als sei der Vers eigens für sie oder ihn geschrieben.

"Der Text erzählt davon, dass Menschen hören, wie Gottes grosse Taten verkündet werden. Das ist mir zur Mitte des Textes geworden und das möchte ich auch in unsere Mitte stellen. Ich habe dafür diese Pfingstrose als Symbol gewählt. Ich möchte Ihnen vier Orte um die Mitte herum vorstellen und lade Sie ein, den Ort aufzusuchen, der Sie am stärksten anzieht.

Hier am ersten Ort sind Menschen zusammen, die miteinander viel Beglückendes aber auch Leidvolles erlebt haben. Es ist ein geschützter Raum, in dem tief berührende und begeisternde Erfahrungen möglich sind. Hier am zweiten Ort erzählen Menschen ganz offen von ihren Glaubenserfahrungen, von ihren Erfahrungen mit Gott und seinem Wirken. Hier am dritten Ort reagieren Menschen skeptisch auf so etwas, fragen kritisch nach, was da wirklich passiert ist und neigen manchmal auch zum Spotten. Hier am vierten Ort wird gefragt, was das Gehörte zu bedeuten hat. Was bedeutet es für die Menschen, die von Erfahrungen mit Gott erzählen? Und bedeutet es etwas für mich? Gehen Sie dahin, wohin es Sie jetzt gerade am stärksten zieht." Nachdem alle ihren Ort für gefunden haben: "Ich lade Sie ein, Ihre Erfahrung an diesem Ort mit den anderen zu teilen. Vielleicht nur mit einem Wort, mit einem Gefühl. Wie geht es Ihnen, wenn Sie von Ihrem Ort aus zur Mitte schauen?"

Zum Abschluss wird der Bibeltext oder der Teil, der zur theologischen Mitte geworden ist, nochmals vorgelesen.

 

Peter Zürn

Aus: ferment 1/2008 "Hast du Zeit?", S. 58. Pallottiner-Verlag, Postfach, CH-9201 Gossau SG.