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Wo uns der Himmel blüht (Mt 6,25-34)
Ein Rabbi zu seinen Schülern: Wisst ihr, das Wort Gottes ist keine Lehre. Wenn wir es lesen oder hören sind wir nicht gescheiter als vorher. Es ist auch nicht einfach eine Stimme (...). Nein! Das Wort Gottes ist eher ein Raum. Und wir sind eingeladen, hineinzugehen, zu tasten, wahrzunehmen mit allen Fasern unseres Lebens, was das Wort uns hier und heute sagen will. "Denn lebendig ist das Wort Gottes... " (Hebräer 4,12).
Der Text und das Spiel (Matthäus 6,25-34)
Der Text ist Teil der Bergpredigt und bietet der galiläischen Landbevölkerung im Angesicht der römischen Besatzung eine hoffnungsvolle Perspektive auf ein Leben in Gerechtigkeit und Fülle an. Es gilt, den geographischen und geschichtlichen Abstand in den Raum des hier und jetzt hinein zu holen: Da ist der Berg, von dem aus Jesus die vielen Menschen lehrt. Ihm gegenüber der Ort der Zuhörenden. Der Raum des Alltags, mit seinen Sorgen und Plagen um Essen, Trinken, Kleidung, mit den Menschen, die sich um seine Bewältigung bemühen: Kleingläubige, Heiden. Und als dritter Ort im Raum alles, was von Gottes Fürsorge erzählt: Vögel des Himmels, Lilien auf dem Feld, das von Gott prächtig gekleidete Gras.
Viele Mitspielende erzählen von ihren Alltagssorgen, den oft vergeblichen Bemühungen und dem ungläubigen Staunen über Jesu Worte: Wie kann man nur so weltfremd sein! Bei einigen rühren Jesu Worte an einer tiefen Sehnsucht und der Raum von Gottes Fürsorge lockt. Blicke wandern dorthin. Doch erste Schritte in diese Richtung erfordern Mut. Zwei Menschen wagen sich in diese Richtung. Eine Lilie hat erfahren, wie leicht das Leben ist, wenn sie sich alles von Gott schenken lässt. Ein Vogel äussert: Ich mache mich von Nichts und Niemandem abhängig, nur von Gott. Er wird für mich sorgen.
Das Nachgespräch
Was habe ich im Spiel für meinen Glauben erfahren? - Viele sind erschrocken darüber, wie stark die Sogwirkung der Alltagssorgen ist und dass sie uns ganz gefangen nehmen können. Manche erinnern sich, dass die meisten ihrer Sorgen nie eingetroffen sind. Einige haben im Laufe des Spieles immer mehr zu einer Balance der drei Pole gefunden: Sorglosigkeit, Verantwortung und Jesu Worte. Es kann gelingen, eine Portion Sorglosigkeit mit in die Alltagsplage zu integrieren. Wir können das uns heute Mögliche tun und darauf vertrauen, dass der lebendige Gott um unsere Lebensnot weiss.
Übung für die pastorale Praxis
Gerade im Kontext von Spardebatten kann die Begegnung mit diesem Text eine Einladung zu mehr Gelassenheit sein. Er kann helfen, die Prioritäten im Sinne Gottes zu setzen. Da der Text im Kontext westeuropäischer Gesellschaften viele "Aber-Geister" provoziert, wird er dreimal vorgelesen, jeweils mit anderem Fokus:
- Was geht in mein Ohr? Was höre ich?
- Was sehe ich? Welche inneren Bilder kommen wir beim Hören?
- Was geht mir zu Herzen? Berührt mich innerlich? Welche Sehnsucht wird geweckt?
Anschliessend werden folgende Verszitate auf dem Boden ausgelegt: "Sorgt euch nicht um euer Leben, um Anziehen und Essen". – Seht die Vögel des Himmels...Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?" – "Wer von euch kann mit all seinen Sorgen sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern". – "Lernt von den Lilien".- "...ihr Kleingläubigen. Macht euch also keine Sorgen". – "Euer himmlischer Vater weiss, dass ihr das alles braucht". – "Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben." – "Sorgt euch also nicht um morgen". Die Teilnehmenden sollen sich den Herausforderungen Jesu stellen, sie sollen ausprobieren, wo und wie ihnen der Himmel blüht. Die Teilnehmenden beenden die Übung mit einem Wort oder einem Satz aus dieser Textwanderung.
Sabine Tscherner-Babl
Aus: ferment 4/2007 "Weil uns der Himmel blüht", S. 57. Pallottiner-Verlag, Postfach, CH-9201 Gossau SG.