Bibliodrama und Seelsorge


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Das Evangelium im Kirchenraum erleben

Von Claudia Mennen 

in: Fachstelle IKB (Hg.), Impulsheft zum Weltgebetstag kirchliche Berufe 2008, S. 30-31. 


Aus der Bibliodrama-Arbeit  der Wislikofer Schule für Bibliodrama und Seelsorge sind in den vergangenen 7 Jahren Formen entstanden, die sich auch für den Gottesdienst in einer kleinen Gruppe oder in abgewandelter Form für die ganze Gemeinde eignen.
Diese Formen laden die Feiernden ein, sich selbst einen Ort in der biblischen Geschichte zu suchen. So beginnt die Gemeinde, im Text zu wohnen und die biblische Botschaft für das eigene Leben fruchtbar zu machen.
Am Beispiel der Aussendungsgeschichte, Lk 9, 1-6, zeige ich, wie eine solche Begehung des Bibeltextes im Gottesdienst aussehen kann. Je nach Grösse der feiernden Gemeinde braucht die Sequenz 15-25 Min. Sie eignet sich als Predigt, als Statio oder als Meditation vor dem Dankgebet.
 
Zum Bibeltext

Bevor die Jünger ausgesendet werden, wird ihnen durch Jesus Kraft und Vollmacht geschenkt. Die Gabe geht also der Aufgabe voraus. Die Ausgesandten handeln nicht auf eigene Faust, sie berufen sich nicht auf eigene Kompetenzen, sie handeln aus der Verbindung mit dem, der sich ihnen zugewendet hat.
Neben dem Auftrag, Kranke zu heilen und Abergeister auszutreiben, wird den Jüngern auch gesagt, wie sie mit Ablehnung umgehen sollen. Den Staub von den Füssen schütteln, bedeutet, Verletzung, Demütigung und Bitterkeit abzulegen. Die Jünger sollen nicht den „Schnee von gestern“ mit sich herumtragen. Der Staub, der das Herz beschmutzt, darf abgeschüttelt werden, weil das Herz keine Sammelstelle für negative Gefühle und Ressentiments werden darf. Jesus weiss, wir schnell Ablehnung das noch so gute Herz vergiften kann. „…dann geht weg…“  Diese Worte geben den Jüngern die Erlaubnis, nicht unnötige Energie zu verschwenden, nicht geschlossene Türen einzurennen. Die Botschaft der Freude kann nur in Freiheit weitergegeben und empfangen werden.


Das bibliodramatische Element

1. Das Evangelium wird verkündet. Zuvor werden die Feiernden eingeladen, besonders gut zuzuhören und innerlich zu spüren, bei welchen Worten des Evangliums ich besonders berührt werde.
2. In der Kirche (bei einer kleinen Gruppe reicht der Altarraum) sind folgender Verse mit Worten und Symbolen ausgelegt:

- Ort der Aussendung und der Vollmachtsübertragung, zu heilen und Gut und Böse zu unterscheiden: rotes Tuch mit einem Ölkrug. Hier wirst du für deinen Weg gesegnet und gestärkt.

- Ort der Bestärkung, nimm nichts mit auf dem Weg als dich selbst: gelbes Tuch mit Spiegel. Hier bist du eingeladen, dir selbst zu vertrauen.

- Ein Haus zum Einkehren, zum heilen und erzählen: Oranges Tuch mit Brot und Wein. Hier wirst du freundlich aufgenommen.

- Eine Stadt, die dich nicht aufnimmt: dunkles Tuch mit ein paar Schuhen darauf. Hier bist du eingeladen, den Staub von deinen Füssen zu schütteln.

Die Feiernden sind eingeladen, alles Orte zu besuchen und zu spüren, an welchem Ort bin ich besonders angesprochen, welcher Ort hat heute mit mir in besonderem Masse zu tun? Diese Sequenz kann durch meditative Musik begleitet werden.

3. Mit einem Gong werden die Feiernden eingeladen, in die Bänke zurückzukehren. Das Evangelium wird  zum Abschluss noch einmal vorgelesen.